Dienstag, 18. Februar 2014

Chile: NP Queulat

Posted by Ronald Völzer On 19:39 No comments
(Puerto Ibanez)- Villa Cerro Castillo (Estancia in Nähe)- Coyhaique- NP Queulat (Canal Puhyuapi) - Puerto Raul Marin Balmaceda


10.2.14
Weil uns die Fähre in Chile Chico zu teuer erscheint, wählen wir den Landweg. Eine Entscheidung, die wir bereuen weil es eine so schlechte Straße war und wir kaum vorwärts kamen. Aber als wir uns der chilenischen Grenze nähern werden wir mit einer super Aussicht belohnt. Plötzlich nicht mehr nur verdörrte Steppe sondern saftiges Grün, Bäume, schneebedeckte Gipfel und Wasser in den tollsten Blautönen. Zwischendurch steht eine Kuh vor uns auf der Straße. Wir kommen in Puerto Ibanez an und fahren gleich weiter nach Villa Cerro Castillo, kaufen etwas ein und fahren die Carretera Austral weiter südwärts um auf einer Estancia in den Bergen zu übernachten. Auf dem Weg dorthin galoppieren drei aufgeregte Pferde an der Straße entlang, dann auf die Straße. Sie sind ausgerissen und nun völlig durch den Wind. Autos bremsen und dann kommt ein waschechter Gaucho angeritten mit seinen zwei Hunden und fängt die Pferde nach ein paar Kilometern wieder ein mit Hilfe eines sehr dicken Mannes, der die Pferde durch einen lauten Brunstschrei in ein dortiges offenes Gatter scheucht. Wir nicken beim Vorbeifahren anerkennend und ernten nochmals den super Schrei des Dicken, begleitet durch ein Augenzwinkern. Hier nehmen wir auch erstmals 4 Anhalter mit.
Der Bauer auf der Estancia ist sehr freundlich und wir können dort beim Holz hacken und Hühner füttern zuschauen. Es gibt Alpakas, Katzen, Hunde, einen Bach und die Kinder finden es einfach nur traumhaft hier. Kein Telefon gibt es hier und Strom nur abends aus einem Generator. Das Grundstück ist riesig, wie alle hier und wunderschön. Es fehlen eigentlich nur noch Peter und Heidi zu dieser Kulisse.

...Imbiss an der Straße

...der Bauernhof

11.2.14
Wir fahren die Carretera wieder nordwärts. Und das Landschaftsbild ändert sich. Wir befinden uns plötzlich in einem Regenwald. Schlingpflanzen, alles Moosbewachsen, riesige Blätter und Farn. Es riecht wie im Gewächshaus und überall gibt es kleine und größere Wasserfälle, die die Felsen herablaufen. Wir lesen in den Campinghütten, welche Vorsichtsmaßnahmen bezüglich des Hanta-Virus zu treffen sind. Den ganzen Vormittag verbringen wir an einem glasklaren und reißenden Fluss. Die Kinder spielen stundenlang angeln und Steine ins Wasser werfen.









12.2.14
Wir kommen nach Coyhaique, eine große Stadt in der wir hoffen, unsere Gasflasche auffüllen zu können. Stunden verbringen wir damit und werden von A nach B geschickt. Erfolglos. Ronald ist frustriert. Aber immerhin finden wir hier eine Mercedeswerkstatt, die zwar nicht unsere Scheibenwischer reparieren kann, dafür aber immerhin schon einmal den kaputten Motor ausbaut dass wir die Seriennummer zum Bestellen haben, einen Ölwechsel vornimmt und alles einmal abschmiert. Und auf dem Camping treffen wir dann Boris und Anna mit denen wir einen netten Abend verbringen. Sie sprechen fließend spanisch und Boris ruft am nächten Morgen in Santiago an, um dort in einer Werkstatt unseren Motor vorzubestellen. Er wird hin und her geschickt (telefonisch also von A nach B- ist hier wohl üblich) und als er endlich an der richtigen Stelle ist, ist der entsprechende Herr im Meeting. Super! Boris verspricht uns aber es später zu versuchen und uns dann zu informieren- mal sehen. Die beiden ermutigen uns auch die Carretera Austral weiter zu fahren. Wir wollten sie eigentlich nur soweit sie aphaltiert ist fahren. Aber es sei nicht so schlimm und absolut lohnend. Also fahren wir wieder hoch.

14.2.14
Die Aspahltstraße endet ganz plötzlich. Dann, als wir in den Nationalpark Queulat einfahren, ist die Straße nur noch halb so breit weil zu beiden Seiten die Pflanzen wuchern. Sie schlängelt sich hier durch den Urwald. Es ist richtig aufregend. Riesige Pflanzen, alles triefend nass, Holzbrücken über reißende Flüsse, riesige Wasserfälle und oben strahlend blauer Himmel und Hängegletscher. Ein Treibhaus mit Schnee auf dem Dach sozusagen. Wir können nur sehr langsam fahren und als dann doch ein LKW entgegen kommt, steigt der Herzschlag etwas an. Wir sind begeistert und froh, dass wir und dass nicht haben entgehen lassen. Dann kommen wir am Canal Puhyuapi an. Das Wasser ist auch hier glasklar, die Kinder gehen baden, Ronald angelt stundenlang (auch mit den Kindern) und Kathrin wäscht Wäsche. Und dann schwimmen mehrfach die Delfine vorbei. Man hört ihr ausprusten beim Auftauchen, so still ist es hier.
Elli rutscht beim Angeln auf den Steinen aus und schrammt sich ihr Bein auf. Aber tapfer war sie!






16.2.14
Vormittags besuchen wir nochmals den Aushängegletscher im Queulat-Park, der hoch oben zwischen den Bergen hängt und darunter stürzen drei Schmelwasserfälle in die Tiefe. Mit den Kindern schaffen wir es nicht mehr den langen Wanderweg zu nehmen und so unternehmen wir eine kürzere Dschungelexpedition zum Schmelzwassersee und können einen Blick aus der Ferne auf den Gletscher werfen. 


...in der Ferne der Gletscher




Danach fahren wir weiter, Lennis Mittagsschlaf ausnutzend, in das abgelegene Küstendorf Puerto Raul Marin Balmaceda. Nur eine Zugangsstraße gibt es hierher und außerdem muss man eine Fähre nutzen. Vorwärts rauf, rückwärts runter. Geschafft. Ein echtes Kaff. Überall kleine Schindel- und Wellblechhütten. Kaum Menschen sind hier zu sehen. Aber es gibt immerhin eine Touristeninfo und die empfiehlt uns in den Wald zu fahren. Super. Es existiert eine Fahrrinne und Ronald will den schönsten Stellplatz für uns finden. Wir durchfahren Dünenladschaft und dann stecken wir fest. Oh nein. Nichts geht mehr. Also wird kräftig gegraben, das Auto in Megaschieflage. Nächster Versuch- noch schlimmer. Aber hinter den Dünen sitzt zum Glück eine chilenische Großfamilie, die uns mit ihrem Pickup herauszieht und auch gleich mit zurück ins Dorf nimmt, wo wir die Nacht am Spielplatz verbringen.


17.2.14
Morgens gehen wir am Wasser spazieren, finden eine Krabbe, Baumschaukeln und beobachten Delfine beim Jagen.






Dann geht es wieder zurück auf die Carretera  Austral gen Norden. Zwischendurch machen wir einen Badestopp im Fluss. Grrr, war das kalt.
Die Straße ist eine schlechte Ripio im Bau und die beiden Campings, die auf der Karte eingezeichnet sind, gibt es nicht. Also stehen wir auf einer hübschen Weide neben Schafen und Pferden mit Blick auf schneebedeckte Berge und beobachten die Dorfkinder der naheliegenden Siedlung beim Überqueren des Flusses in einem Korb. Die Kinder spielen lange und vertieft mit einem Steinhaufen. Wozu haben wir eigentlich Spielzeug?

 ...Spielplatz

 ...und hopp

...ich kann fliegen













Mittwoch, 12. Februar 2014

NP Torres del Paine- El Calafate- Perito Moreno Gletscher- Lago Cardiel- Cueva de los manos- Los Antiguos

30.1.14
Wir kamen im Nationalpark Torres del Paine an. Dank des Sonnenscheins konnten wir die spitzen Granitfelsen, die steil in den Himmel ragen, gut beobachten. Etliche Guanakuherden standen am Wegrand Spalier. Wir wanderten ein bisschen durch die Gegend- so wie es die Kinder mitmachten. Lennard saß oft in der Trage und Elli heulte, warum sie nicht auch getragen wird. Wir sahen tosende Wasserfälle, Seen und Flüsse mit tollem türkisfarbenem Wasser, Andencondore und unseren ersten angeschwemmten Eisberg. Wir watschelten wagemutig über eine große Hängebrücke, die über einen tosenden Fluss führte und wurden von Wind fast umgehauen. Die Naturgewalten sind hier gut zu spüren oder wohl annähernd zu erahnen. Keine Lust im Winter hier zu sein! Die Preise sind heftig. Wir zahlen ca. 55 Euro Eintritt. Der Campingplatz kostet 20 Euro pro Nacht. Erste Hirngespinste  kommen auf, wohin uns diese Reise wohl noch führen wird. Bleiben wir in Südamerika oder geht die Reise möglicherweise doch weiter… warten wir ab.











2.2.14
Wir kommen nach El Calafate, wieder Argentinien. Hier tummeln sich auch massenweise Touristen und es gibt teure Geschäfte mit viel Unsinn und Schnickschnack. Auf dem Zeltplatz gehen wir abends essen und werden erstmals enttäuscht. Als wir nämlich, nachdem die Kinder ins Bett gebracht sind, nochmals einen Tisch dort nehmen, werden wir nicht bedient weil wir nichts essen möchten sondern nur Cocktails bestellen. Der Tisch wird gebraucht für die, die essen. Diskussion mit Chefe bringt nichts. Die Zeltplatzchefin hat irgendwann Einsehen und wir sollen woanders sitzen (Eselsbank). Da haben wir keine Lust drauf und gehen. Tja, hier hat man es eben nicht mehr nötig sich Mühe zu geben. Man steht im Lonely Planet und die Scharen strömen herbei- egal, wie gut man ist.
In Calafate wandern wir zu einer Lagune und beobachten Flamingos. Das absolute Highlight ist jedoch der naheliegende Nationalpark mit dem Perito Moreno Gletscher. Bevor wir ihn betrachten konnten, mussten wir aber noch einen Reifen wechseln (Panne, die zweite). Dann machten wir eine Bootsfahrt zum Glaciar. Er ist riesengroß, schimmert in den tollsten Blautönen und kalbt. Das Kalben konnten wir zweimal beobachten. Obwohl es nur kleine Stücken waren die abbrachen, war es ein jedes Mal ein lauter Knall und eine ordentliche Wasserwolke und Wellen, die dabei entstanden. So standen wir ewig und hofften auf einen noch größeren Abbruch während es immer wieder laut und dumpf hier und da knirschte und knackte. Ronald meinte, dass so schon ewige Stunden Lebenszeit vergeudet wurden- ironisch gemeint natürlich.
Nach zwei Nächten in Calafate haben wir genug von der Stadt und fahren weiter.




5.2.2014
Auf der Ruta 40 zu fahren ist hier unten echt nicht witzig. Schotterpiste mit Schlaglöchern ohne Ende. Links und rechts Pampa. Nichts. Dann ein Reiter, der uns anhält und um Wasser für seine Pferde bittet weil das Flussbett ausgetrocknet ist. Klar zapfen wir gerne für die armen Tiere. Der Reiter ist ein Franzose, der zwei Jahre hier zu Pferd unterwegs ist. Leute gibt´s ;-). Immer wieder sehen und treffen wir auch Radfahrer, die diese Strecke so zurücklegen. Wir möchten nicht tauschen und staunen nur über so viel ??? (Mut, Wahnsinn…)
Am Lago Cardiel biegen wir einfach von der Ruta 40 ab und fahren mitten durch die Pampa. Eine holprige Fahrt und dann stehen wir ganz einsam mit Blick auf den großen See. Herrlich.


6.2.14
Ziel ist die „Cueva del las manos“. In einem schönen Tal verzierten vor ca. 9000 Jahren Menschen dort die Felsen mit ihren Händen, Guanakos, Pumas. Von der UNESCO wurde diese Stätte zum Weltkulturerbe erklärt. Wir bleiben hier zwei Nächte und wandern durch die Felslandschaften. Kathrin immer mit Reizgas für den Pumaangriff gewappnet vorbei an etliche Skeletten. Fehlt nur noch Winnetou, der mit reitet. Es gibt Stinktiere (puh!), Gürteltiere, Schwalben (hat was heimatliches), wilde Pferde und wie immer Guanakus satt. Der Puma lässt sich nicht blicken.











8.2.14
Wir kommen in Los Antiguos an. Die Gegend wurde vor 20 Jahren plötzlich durch Vulkanasche bedeckt, was den Menschen natürlich einen riesigen Schrecken einjagte. Zum Glück blieb es bei der Menge Asche, die den Boden fruchtbarer machte. Hier gibt es wohl die besten Kirschen des Landes. Wir campen auf einem Platz auf dem es viele Kinder gibt, Spielplätze und einen See. Im Hintergrund türmen sich Berge auf. Ein schöner Anblick und wir entspannen, die Wäsche wird gewaschen und wir kümmern uns mal wieder um diesen Blog. Die Sonne scheint und wir haben endlich wieder Temperaturen über 20 Grad.







Eine traurige Nachricht bekommen wir aus Deutschland. Ellis Kinderhauspädagogin Christina ist gestorben. Mit nur 48 Jahren hinterließ sie drei Kinder und ihren Mann. Wir werden daran erinnert, wie kurz das Leben sein kann und sind unendlich dankbar diese gemeinsame Zeit mit unseren Kindern haben zu dürfen.